St. Martin Kirche Effretikon September 2017

Yordanka Jaschke Aguirre
aus Havanna, Kuba * 1976

Ich bin als Älteste von 4 Geschwistern in Havanna, der Hauptstadt von Kuba, aufgewachsen. Da ich Asthma hatte, zügelten meine Eltern in die Nähe des Meeres.
Meine Eltern liessen sich scheiden, als ich 5 Jahre alt war.
Meine Mutter war sehr streng, sie musste alleinerziehend überall arbeiten für unseren Unterhalt. Sie war einerseits Kommunistin und Anhängerin von Fidel Castro – anderseits liebte sie den Konsum.
Nach der Schulzeit lernte ich Hochbauzeichnerin, leider ohne Abschluss.
Ich wurde als Baby katholisch getauft – meine Mutter versuchte mir jedoch, den afrokubanische (Santería) Religion zu vermitteln (Die Santería (spanisch, zumeist mit „Weg der Heiligen“ übersetzt) ist eine synkretistische, afroamerikanische Hauptreligion in Kuba, die ihre Orishas (Götter der Santería) mit katholischen Heiligen (spanisch santos) vermischt.
Mit 17 Jahren passierte „eine chemische Reaktion“, als Stephan mit blauen Augen und blondem Haar bei uns in der Stube stand. Er kam aus Möhlin (AG).
Nach dem Gesetz durfte man Kuba erst mit 21 Jahren verlassen…ausser man heiratete. Also habe ich am 25. Dezember 1994 mit 18 Jahren in Havanna meinen Schweizer geheiratet. Einen Monat später (Januar 1995) wurde dieses Gesetz geändert – die Ausreise wäre auch ohne Heirat möglich gewesen…..
Wir kamen in Schötz (LU), einem ganz kleinen Dorf an.
Bereits in Kuba hatte ich Deutschkurse besucht, nun ging in die Migrosclubschule.  Die kommenden 12 Jahre habe ich in der Gastronomie gearbeitet.
1999 habe ich mich von Stephan getrennt.
2000 habe ich Boris  in Luzern kennen gelernt. Das war Liebe auf den ersten Blick. Er hatte die Hotelfachschule in Zürich abgeschlossen.
Ich zügelte nach Bassersdorf, später nach Effretikon und war im „Kuba libre“ und in der QN Bar angestellt.
2007 kam mein Sohn Martin zur Welt, und ein Jahr später heiratete ich hochschwanger. 2008 kam Camilo dazu.
Bis zur Geburt meiner Kinder war mein Leben oft eine Party.
Danach habe ich eine Kehrtwendung vollzogen. Ich wollte ganz für die Kinder da sein. Dieser Neuanfang hat mich zur Kreativität inspiriert. Ich fing an Bilder zu malen, Texte zu schreiben.
Auch habe ich beim Gebetskreis der spanisch sprechenden Frauen (oberhalb Drogerie Trümpy) mitgemacht.
Mein Mann Boris ist reformiert, so habe ich mich dieser Kirchgemeinde und deren Aktivitäten angeschlossen.
Meine Mutter ist in März 2014 gestorben – bis dahin habe ich sie jährlich ein Mal besucht. Nun war ich nie mehr in Kuba.
Vor 4 Jahren sind wir in eine grössere Wohnung nach Pfungen gezügelt.
Ich spiele Fussball beim FC Neftenbach. Seither habe ich einen Traum:
Wenn meine Kinder gross sind, möchte ich nach Kuba zurück und eine Kinder-Fussballclub gründen. Ja, neu habe ich nun ein wenig Heimweh…..