Sigristin Grüsse

Es war einmal in einem großen Dorf. Dort wohnte ein Pfarrer. 
Der Pfarrer wollte seit langem in einer neuen Gemeinde arbeiten. 
Er hat immer davon geträumt!
Und endlich konnte alles gut gehen! 
Am Tisch hatte er seinen Arbeitsvertrag! Er musste ihn nur unterschreiben! 
Aber ihm ging eine neue Idee in den Kopf!
“Vielleicht sollte ich die neue Gemeinde einmal ohne Voranmeldung besuchen.”
Bis jetzt hatten alle jeweils auf ihn gewartet und mit ihm gerechnet jedes Mal wenn er eine zukünftige Gemeinde besucht hatte. Deswegen dachte er, ein einziges Mal, bevor ich unterschreibe, werde ich einen Besuch machen, ohne mich vorher anzumelden. 
Und so hat er sich auf den Weg zur neuen Gemeinde gemacht. 
Als er am Pfarrhaus klingelte, machte die nette Sekretärin die Türe auf.
"Ich wollte Euch noch einmal besuchen. Hätten Sie bitte etwas Zeit für mich?” - fragte der Pfarrer die Sekretärin. “Ich würde gerne Eure Kirche und das Pfarrhaus noch einmal in Begleitung besuchen. Könnten Sie mir bitte alles nochmals zeigen?” - fragte der Herr Pfarrer. “Ja, natürlich!” - sagte die Sekretärin. 
Zuerst haben sie zusammen die Küche besucht, dort gab es Reste von Geschirr und Tassen, die nicht sauber waren. 
Dann fragte der Herr Pfarrer: "Wieso ist hier alles so unordentlich?"
Die Sekretärin sagte: "Die Sigristin hat zwei Wochen Ferien."
“Anscheinend ist das Talent und die Fähigkeit, Sauberkeit und Ordnung in der Kirche zu bewahren, etwas womit Gott nur Sigristen gesegnet hat.” - sagte der Herr Pfarrer.
Danach haben Sie die Büros besucht und die anderen Räume, plus die Kirche. Und nun, der Pfarrer hat immer wieder gefragt ... "Wieso ist das so?", "Wer ist für das zuständig?", "Wie lange wurde hier nichts gemacht?",  "Wer soll das machen?" und so ging es weiter ... 
Die Sekretärin sagte immer wieder “Unsere Sigristin hat Ferien, wenn Sie wieder kommt, wird alles richtig gemacht, schön und gut. Bevor unsere Sigristin in die Ferien gegangen ist, war Sie eine Woche sehr krank, und Sie ist zu Hause geblieben. Leider wird seit drei Wochen Vieles nicht gemacht, weil sie sonst immer alles macht, und ohne die Sigristin können wir nichts machen. Ausserdem, wenn Sie hier ist, waschen wir kein Geschirr, wir entsorgen keinen Abfall oder so, leider können wir wirklich nichts machen. Wissen Sie, Herr Pfarrer, wir arbeiten hier, und wir sind nicht hier für unser Geschirr oder unseren Schmutz zuständig, wir sind froh, wenn alles gemacht wird. Ordnung und Sauberkeit ist Sache der Sigristin. Wir haben andere Verpflichtungen hier. Eine Kirche braucht Ordnung und Sauberkeit, das ist uns bewusst, aber das können anscheinend nur Sigristen.” - sagte die Sekretärin zu dem Herr Pfarrer.
Der Pfarrer hat sich nach einer Stunde verabschiedet und ging nach Hause. Dort nahm er seinen Vertrag und unterschrieb ihn. Aber vorher hat er bei den Bemerkungen etwas reingeschrieben: “Liebe Gemeinde, es würde für mich eine grosse Ehre sein, bei Euch arbeiten zu dürfen. Aber nur unter einer Bedingung könnte ich bei Euch erscheinen ... Bitte, ab sofort, wird die Sigristin Ferienverbot bekommen.”
YORDANKA JASCHKE