El cuento de la buena pipa

Die Geschichte der guten Pfeife

Aus dem Spanischen - Yordanka Jaschke (Übersetzung - Boris Jaschke)

Es war einmal eine liebenswürdige Alte, die in einem wunderschönen und robusten Holzhäuschen wohnte, welches umgeben war von einem grossen schönen Garten, in dem die verschiedensten Tierchen glücklich lebten.

Der Liebe Alten gefiel es sehr, ihren bezaubernden Garten zu hegen und zu pflegen. Die vielen Blumen und die Vielfalt der Farben waren in der Tat ein Kunstwerk, und die Bewohner des Gartens nahmen sich der Pflege und des Schutzes dieses magischen Ortes an.

In dieser fantastischen kleinen Welt flatterten die bunten Schmetterlinge, lebten die hüpfenden Grillen, die übermütigen Grashüpfer, die schelmischen Salamander und ihre Nachbarn, die Eidechsen. Es lebten die eifrigen Ameisen, die fleissigen und unermüdlichen Bienen, die schwermütigen Schnecken, die schlitzohrigen Hundertfüssler mit ihren Streichen und die webenden Spinnen. Die Gesänge der Vögelchen mit ihren süssen Melodien begleitßeten das grosse Orchester der tanzenden Grillen und Grashüpfer und zauberten ein freundschaftliches Lächeln auf die Gesichter der heiter vergnügten Schmetterlinge. Die galanten Enten fanden sich nach ihrem Ausflug mit der Familie beim kleinen See ein, wo sie die stets freundlichen und guterzogenen Frösche, welche ebenfalls den Teich bewohnten, eines gleichgültigen Blickes würdigten. Zu guter Letzt lebte hier auch der hübsche Kolibri.

Alle diese Tierchen des Gartens bemühten sich mit Sorgfalt und Liebe um dieses kleine Paradies.

Doch am Rande dieses überwältigenden Friedens geschah jeden Tag etwas, das eine Ungewissheit unter unsere Protagonisten streute.

Dem Grossmütterchen nämlich gefiel es, sich jeden Nachmittag auf einem stabilen, massiven, hölzernen Schaukelstuhl auszuruhen, im Schatten eines riesigen, hübschen Sonnenschirms, währenddessen im Ofen in der Küche ein wundervoller Kuchen garte.

Die Kuchen der Alten waren im ganzen Dorf bekannt und beliebt. Sie mochte es nicht nur, einen Kuchen zu backen, sondern diesen im Briefkasten eines Nachbarn zu lassen, begleitet von einer liebevollen Karte: Für den Nachmittagstee.

Was unsere kleinen Freunde beunruhigte, war jedoch nicht der köstliche und betörende Geruch des Gebäcks, nein. Es war viel mehr die Tatsache, dass unser Grossmütterchen dazu neigte, auf dem Schaukelstuhl einzuschlafen, mit der Pfeife in der Hand. Dies löste unter allen Bewohnern des Gartens grosse Besorgnis und Alarmbereitschaft aus.

Jedes Mal, wenn sich die Alte in ihrem Garten ausruhte, entstand ein riesiges Gezeter und Gepolter. Das Grossmütterchen verstand natürlich nicht, was ihre kleinen Freunde ihr damit sagen wollten, und so war sie einfach glücklich und erfreute sich der natürlichen Schönheit, die sie umgab, wobei ihre Augen immer schwerer wurden.

An einem dieser Nachmittage, setzte sich unser Grossmütterchen wie gewohnt auf ihren Stuhl um ihre Pfeife zu schmauchen, nachdem sie den Kuchen in den Ofen geschoben hatte. Nur nach wenigen Minuten und zum Schrecken aller, schlummerte die Alte ein. Diesmal schlief sie, zur grossen Überraschung aller, tief und fest.


Der Schrecken fuhr allen in die Glieder. Gemeinsam machten sich alle daran, die Alte aus dem Schlaf zu reissen. Beängstigender wurde die Lage, als die glimmende Pfeife dem Grossmütterchen aus der schlafenden Hand glitt.

Ein buntes Getümmel umgab plötzlich das Grossmütterchen. Diejenigen, die fliegen konnten, flogen. Andere rannten, was das Zeug hielt um zu helfen, oder hüpften herbei. Die Ameisen organisierten sich, um in Reih und Glied auf die Füsse der Schlafenden zu marschieren. Die kleinen Vögel zogen in geschickten Flugmanövern an den Haaren der Alten um sie zu wecken. Andere kitzelten an den Füssen und an den Händen. Ein Rettungsteam löschte die Pfeife mit Wasser. Noch nie hatten sie so lange gebraucht um die Alte zu wecken, denn an diesem Tag war sie aussergewöhnlich müde.

Und während sich das Schnarchen der Alten mit dem aufgeregten Gezwitscher der Vögel mischte, durchbrach die laute Sirene der Feuerwehr das Getümmel im Garten. Das Grossmütterchen fuhr mit einem Schrecken aus dem Schlaf und mit grossen erstaunten Augen betrachtete sie ihren aufgebrachten Garten.

Denn während die Alte noch schlief, verstrich die Zeit, sodass der Kuchen verbrannt war und der Rauch, der aus dem Ofen drang, die Feuerwehr alarmiert hatte. Pflichtbewusst, wie alle Feuerwehrmänner, machten sie sich schnell daran, den verbrannten Kuchen zu löschen, zur gleichen Zeit als unsere Tierchen dabei waren, die brennende Pfeife zu löschen, die der Alten, ohne dass sie es merkte, aus der Hand rutschte.

Mit Tränen in den Augen dankte das Grossmütterchen allen Feuerwehrleuten für ihre grossartige Rettungsaktion und erzählte ihnen, wie es dazu kam und entschuldigte sich für die Unachtsamkeit. Sie versprach, in Zukunft besser aufzupassen, wenn sie Kuchen backte.

Als der Ofen wieder sauber und bereit war, backte die Alte einen leckeren Schokoladen-Kuchen für die Feuerwehrmänner. Dieses Mal setzte sie sich an den Tisch in der Küche am Fenster und trank einen Tee, bis der Kuchen fertig war. Von da an backte sie ihre Kuchen immer zur Teestunde am Nachmittag.

Im Garten waren alle Herzen voller Freude, überwältigt von Liebe und Frieden, denn die Alte hatte nun verstanden, was ihr ihre kleinen Freunde jeden Nachmittag zu sagen versuchten. Sie versprach ihnen, ab jetzt ohne ihre Pfeife auf dem Schaukelstuhl auszuruhen.

Die Pfeife stand von nun an in der Mitte des Gartentischs. Mit ihrer leuchtenden Farbe hatte man den Eindruck, als sei sie eine künstlerische Skulptur auf dem hellen Marmortischen, den die Alte so mochte.

Und wenn neue Dorfbewohner am Haus der Alten vorbei kamen um den wunderschönen Garten zu bestaunen und einen Willkommenskuchen abzuholen, dann kamen sie nicht darum herum, bei einer Tasse Tee aus frischen Kräutern der Geschichte der Alten und ihrer Pfeife zu lauschen und dabei den grossen Tanz zu bestaunen, den unsere kleinen Freunde im Garten zum Besten gaben.