Einführung

Einführung
zur Vernissage  der Bilderausstellung von Yordanka Jaschke
anlässlich der Kulturwoche „Semanas Latinas“
am 12. September 2017 um 18.30 Uhr im Stadthaus Effretikon


Ist es Ihnen auch so ergangen wie mir, als Sie den Titel zu dieser Ausstellung „Revolution und Konsum“ gelesen und gesehen haben, dass die Bilder von einer Kubanerin geschaffen wurden, dass Sie unweigerlich an die kubanische Revolution durch Fidel Castro vor bald 60 Jahren gedacht haben?

Ja, geschätzte Damen und Herren

Dem ist aber nicht so. Es geht bei dieser Ausstellung um etwas ganz Anderes.

Es freut mich, eine kurze Einführung in diese Ausstellung machen und sie in die spannende Welt von Yordanka Jaschke entführen zu dürfen.

Bevor wir in die Bilder eintauchen und versuchen zu verstehen, was Yordanka damit ausdrucken will, ist es wichtig, kurz ihren interessanten und bewegten Werdegang vor unseren Augen passieren zu lassen, denn Werk und Person lassen sich bei ihr kaum voneinander trennen.

Yordanka kam im Jahre 1976 in Havanna in Kuba zur Welt. Ihre Jugend und Adoleszenz  Jahre verbrachte sie in Kuba. Ihre Weltanschauung und ihr Denken sind denn auch heute noch stark vom Leben im revolutionären Kuba geprägt. Dabei hat ihre allein erziehende Mutter, eine Kommunistin und Anhängerin von Fidel Castro, einen grossen Einfluss gehabt. Yordanka denkt  gern an diese Zeit zurück, obwohl ihr bewusst ist, dass - nach unseren westlichen Wertvorstellungen - in Kuba auch fast 60 Jahre nach der Revolution weder Demokratie noch Freiheit herrschen.

Mit 17 Jahren passierte etwas, das Yordanka als „chemische Reaktion“ bezeichnet, nämlich als ein junger Mann mit blauen Augen und blondem Haar auftauchte. Er kam aus Möhlin im Kanton Aargau. Und so kam es, dass sie am 25. Dezember 1994 mit 18 Jahren ihren Schweizer geheiratet hat.

Nach weiteren Sturm und Drang Jahren in der Schweiz – sie hatte sich inzwischen wieder vom blonden Schweizer getrennt und einen neuen Mann gefunden – kam im Jahr 2007 ihr erster Sohn und ein Jahr später ihr zweiter Sohn zur Welt. Das hat bei ihr eine Kehrtwendung gebracht. War ihr Leben vorher oft eine einzige Party, bedeuteten ihre beiden Söhne für sie einen Neuanfang. Auch eine Inspiration zur Kreativität, zum Malen und zum Schreiben. Und nicht zuletzt auch, um ihre Art zu leben zu hinterfragen.

So zum Beispiel: was ist denn Freiheit? Freiheit zu was? Zu immer mehr Konsum? Nein, das kann es ja auch nicht sein. Und so hat sie versucht, in ihren Bildern eine Gegenwelt zu unserem Konsumverhalten darzustellen. Das Motiv „Konsum“ zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch ihre Bilder.

Yordanka bezeichnet sich selbst als Revoluzzerin. In einem langen Gespräch mit ihr in ihrem Wohnort in Pfungen habe ich viel über ihr Leben und über ihre Beweggründe für diese Bilder erfahren. Dabei habe ich begriffen, dass sie unter Revolution nicht die kubanische Revolution, sondern eine innere Entwicklung, eine kritische Haltung gegenüber unserem Konsumverhalten versteht. Mit ihren Bildern möchte sie unseren Blick schärfen und uns bewusst machen, dass wir unseren verschwenderischen Lebensstil ändern müssen, um unser wahres Glück zu finden. Oder so, wie sie es poetisch ausdrückt: „Das Glück besteht darin, die Stille im Getöse zu finden“. Eine Botschaft, die nicht einfach ist, in Bildern auszudrücken… Deshalb arbeitet sie viel mit Symbolen, Symbole, die immer auf das gleiche hinweisen: Revolution als innere Entwicklung.

Die Bilder von Yordanka sind nicht zufällig eine Kunst des „Recycling“. Mit dieser Technik will sie bewusst zeigen, dass wir nicht immer alles - kaum haben wir es gekauft – wieder sorglos wegwerfen, sondern versuchen sollen, es kreativ wieder zu verwerten. So eine Haltung bringt einen automatisch zu einem achtsameren Umgang mit unseren knappen Ressourcen.

Nehmen wir das Beispiel des Fidget Spinners, diesem Trendspiel, eine Art Kreisel in Form eines Propellers. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat diesen Fidget-Spinner als „must-have office toy for 2017“ ausgerufen. Heute besitzt fast jedes Schulkind so ein Ding. Aber wozu dient dieser Kreisel eigentlich? Der Zerstreuung oder der Konzentration? Niemand weiss es. Und niemand macht sich Gedanken über den Unsinn eines solchen Spielzeugs. Aber es wird in Massen gekauft.

Lassen sie mich, stellvertretend für alle Bilder, die hier ausgestellt sind, kurz ein Bild kommentieren und interpretieren:

Das Bild mit dem markanten Baum und der Inschrift „Revolucion Consumo“ trägt den Namen dieser Ausstellung. Das Bild ist zweiteilig, sozusagen als Spiegel. Es ist voller Symbole: Der markante Baum repräsentiert die Natur, der wir Sorge tragen sollen. Die Krone ist voll von Blumen. Die Blumen bedeuten die Seele, die die wahren Gefühle versteht. Sehr prägnant auch das Auge unten beim Stamm. Was wären wir ohne Augen? Wir müssen aber auch unsere inneren Augen für das Schöne in dieser Welt offen halten. In der Mitte, links, in grüner Farbe können wir so etwas wie einen Friedhof erkennen. Als Zeichen des Todes. Unsere Körper sterben. Auch das gehört zum Leben. Darum sollten wir leben wie die Schmetterlinge, nur kurze Zeit, intensiv und in dieser Zeit das Beste daraus machen. Grün bedeutet für Yordanka auch „Bio“. Wir sollten wenn immer möglich Produkte aus der Region kaufen, nicht aus aller Welt.

Dies nur kurz ein paar Erläuterungen, wie Sie die Bilder verstehen können. Schaffen Sie bei den anderen Bildern Platz bei sich für Ihre eigenen Inspirationen. Und die Künstlerin ist ja heute Abend anwesend und freut sich, Ihnen auf Wunsch ihre Bilder persönlich zu erläutern.

Sie sehen, Yordanke besitzt nicht nur einen grenzenlosen Idealismus, sondern auch eine grosse Phantasie. Sie versucht, mit ihren Bildern aufzurütteln. Hei, etwas muss passieren in dieser Welt, damit sie nicht zugrunde geht! Wenn wir allerdings die gegenwärtige Entwicklung verfolgen, die immer mehr auf den gläsernen Menschen hinzielt, damit der Markt unsere vermeintlichen Bedürfnisse noch besser erkennen und seine Produkte noch effizienter verkaufen kann, steht die Haltung von Yordanka fast etwas quer in der Landschaft. Aber gerade darum ist eine Rückbesinnung auf das Wesentlich notwendig.

Nehmen wir alle etwas von der Botschaft aus diesen Bildern für uns mit, im Wissen, dass wir nur im Kleinen etwas bewirken können. Getreu dem Motto des grossen Befreiungstheologen Dom Helder Camara: „Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit“.

Auch Yordanka hat noch einen Traum: Wenn ihre beiden Buben gross sind, möchte sie nach Kuba zurückgehen und einen Kinder-Fussballclub gründen. Ja, wie bei vielen Frauen aus Lateinamerika kommt auch in Yordankas Herzen immer wieder etwas Heimweh und eine Sehnsucht nach der alten Heimat auf.

Musikalisch begleitet werden wir heute vom „Chachaloca“ Trio.
Passend zur Bilderausstellung gibt uns das Trio eine Kostprobe aus ihrem reichen Repertoire aus afrokubanischen Latin-Jazz.

Zum Schluss möchte ich noch auf Lesung mit Andrea Jost am 23. September, hier im Stadthaus, hinweisen. Der spannende Kriminalroman, aus dem Andrea lesen wird, spielt in Havanna und wirft  einen Blick auf die Schattenseiten von Kubas Gesellschaft. Ich kann ihnen diese Lesung sehr empfehlen.

Mit einem einen ganz herzlichen Dank an Yordanka, dass sie mit ihren Bildern versucht, uns aufzurütteln und unser Bewusstsein für einen kritischen Umgang mit der Natur, mit dem Konsum und mit dem Leben überhaupt zu schärfen, wünsche ich ihnen allen noch einen schönen Abend.

Danke.

Einleitende Worte:
Herbert Kuhn
Musikalische Begleitung:
Chachaloca Trio